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Ica sah auf den Landkarten ziemlich groß aus und liegt ca. 300 km südlich von Lima direkt an der Panamericana. Wir hatten uns vorgenommen hier unsere nächste Nacht zu verbringen. So fuhren wir direkt ins Zentrum. Diese kleine Stadt hatte es in sich. Waren wir gerade noch mutterseelenallein durch die Wüste gefahren, so pulsierte jetzt das südamerikanische Leben um uns. Die Straßen waren klein und eng, wie wir es aus Italien oder Südfrankreich kennen. Überall schwirrten diese kleinen gelben Motorradtaxis und andere kleine Autos herum, hupten und blinkten um auf sich aufmerksam zu machen. Gut das wir so ein großes Auto hatten, damit drängte uns kaum einer von der Fahrbahn. Aber nicht nur der Straßenverkehr war unübersichtlich. Die vielen Fußgänger die kreuz und quer über die Straßen liefen, Hunde, Karren oder alles was Räder bzw. Beine hatte befand sich in Bewegung. Schilder zu lesen oder gar den Stadtplan zur Hilfe zu nehmen war nicht ganz einfach. Da aber die Stadt nicht allzu groß war, fanden wir schnell den Plaza de Armas. Hier suchten wir uns einen Parkplatz. Wir hatten zwar Angst, dass uns das Auto geklaut wird, andererseits hatten wir keine andere Möglichkeit ein paar Sachen einkaufen zu gehen. So nahmen wir alles wichtige mit und stürzten uns ins quirlige Leben.
Irgendwie machte das ja sogar Spaß. Diese vielen Menschen, der Lärm, das Chaos verzauberten uns. Verkaufsstände ragten bis auf die Straße, Kinder verkauften Süßigkeiten, alte und arme Menschen saßen mit Ihrem wenigen Verkaufswaren auf den Gehwegen im Dreck. Hier gab es ein paar wenige kleine Geschäfte und einen großen Markt. Hier nach Ica verschlägt es nicht all zu viele Touristen. Wir haben vielleicht 5 andere Europäer oder Amerikaner während unseres gesamten Aufenthaltes in Ica gesehen. Demzufolge war man schon ein Außenseiter, ein Westlicher Reicher. Wir merkten schnell, dass man um den Preis feilschen musste. Während wir uns nun nach geeigneten Geschäften umsahen, arbeitete unser Gehirn das Geschehen der letzten Stunde auf. So als ob man einen Computer total überfordert und der Arbeitsspeicher immer voller wird, kamen unsere Gehirne erst jetzt, nachdem sie alles aufgearbeitet hatten, auf den Gedanken, dass da etwas im Auto fehlte, als wir es sicher abgestellt hatten. Ich wagte mich kaum Matthias zu fragen, wo den eigentlich unsere Regenjacken sind. Aber Matthias hatte sich die Frage auch schon gestellt, und ehe wir dazu kamen etwas zu kaufen, liefen wir schnell zum Auto zurück um nachzusehen, wo unsere Jacken sind.
Die Jacken waren nicht im Auto. Was nun? Wo sind die Jacken? Wo haben wir sie vergessen? Aber die schlimmste Frage, die wir uns stellten war: „Warum wir nach nur 3 Tagen, so derart neben uns standen, dass uns solche Sachen passieren? Wir waren doch sonst so verlässlich und aufmerksam?“ Da hatten wir schon keine Sachen und wir verlieren auch noch unsere teuren Regenjacken. Fix und Fertig, die Zeit im Nacken machten wir uns abermals auf den Weg zu den Geschäften. Wir versuchten uns jetzt auf den Einkauf zu konzentrieren. Da gab es schon mal einen Wäscheladen. In der Hoffnung richtige Unterwäsche kaufen zu können, stürmten wir den winzigen Laden. Die zwei Verkäuferrinnen beobachteten uns kritisch. Mit unserem kleinen Wörterbuch versuchten wir ihnen zu erklären, dass wir Unterwäsche und Socken benötigen. Sie kicherten, als wir die Größe und die Anzahl beschrieben. Wir waren schon zwei Exoten. Aber wir waren glücklich. Jeder hatte sechs Slips und 5 Paar Socken. Das wichtigste war geschafft. Als nächstes gingen wir durch die große Markthalle. Von der Sache her, ähnelte dieser Markt ein wenig den Polenmärkten die wir aus der Wendezeit her kannten. Hier gab es auch T-Shirts. So feilschten wir um den Preis und bezogen beide, relativ günstig 3 Shirts und 2 Handtücher. In einer Art Apotheke/Drogerie fanden wir ein Haarwaschmittel. Allerdings gab es kein Duschgel.
Es wurde bereits dunkel, als wir zurück zu unserem Auto gingen. Jetzt nur noch schnell ein Hotel finden. Wir fuhren aus der Stadt und fanden ein kleines nettes Hotel. Hier kamen wir mit unserem Englisch nicht sehr weit. Eine ganze Weile benötigten wir, ehe wir ein Zimmer hatten. Leider gab es kein Restaurant in diesem Hotel, so dass wir ohne Essen ins Bett mussten. Nur die salzigen Kekse und ein zwiebackähnliches Gebäck stillten den schlimmsten Hunger. Aber wir bekamen Mate de Coca, einen Tee aus der Kokainhaltigen Coca Pflanze.
Da es schon dunkel war, genehmigten wir uns eine Dusche und planten den nächsten Tag. Matthias telefonierte noch mit unserem Hotel in Lima. Unsere Jacken waren tatsächlich noch da. Wir beschlossen, die Jacken auf unserem Rückweg in Lima abzuholen. Da wir aber die Anden noch vor uns hatten, mussten wir am nächsten Tag noch mal nach Ica um uns noch etwas warmes zum Anziehen zu besorgen. Wir kauften für umgerechnet je 5 Euro zwei Fleecepullover und setzten uns anschließend in ein Internet-Cafe um allen Zuhause, die sich sorgten ein Lebenszeichen zu geben.

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