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Wir hatten kein Glück, das Wetter wurde nicht besser. Zwar hörte es auf zu schneien, aber die dicken Wolken blieben. Alle Hoffnung legten wir in den Ort Juliaca. Im Reiseführer stand, dass es hier preiswertere Unterkünfte wie in Puno geben würde. Außerdem war Juliaca die Hauptstadt der Provinz San Róman mit über 80.000 Einwohnern. An den Montagen sollte dort einer der größten Märkte der Region stattfinden. Es war Montag. Die Hochebene in der Juliaca liegt, zeigte sich sehr trostlos in einer Höhe von 3.800 m. Staub und Sand wurde durch die Luft gewirbelt. Es gab kaum etwas Grünes. Bereits vor der Stadt konnten wir alte Fabrikgelände und -gebäude sehen. Müll sam melte sich, von Wind zusammengetragen vor den hohen Stacheldrahtzäunen. Alte Lastwagen standen rechts und links der Straße. Es gab im Gegenzug zu Cusco kaum private Autos. Die Leute kamen uns auf motorbetriebenen Zweirädern entgegen. Motorbikes wurden Sie auch genannt. Ähnlich wie eine Rikscha hatten viele dieser Mopeds einen Aufbau zum Transport von maximal 2 Personen. Neben den motorbetriebenen Fahrzeugen, gab es hier jede Menge Fahrräder, die die gleichen Aufbauten hatten. Je näher wir zur Stadt kamen, umso dichter wurde der Verkehr. Die Stadt glich einer Wüstenstadt. Alte kaputte bzw. nie fertig gestellte Häuser säumten die Straße. Von schöner Architektur war nichts zu sehen. Unheimlich viele kleine Geschäfte begrenzten die Hauptstraße. Die Waren standen zum Großteil auf der Straße. Vom alten Reifen bis zum Auspuff war alles vertreten. Jeder handelte mit einem anderen Ersatzteil für Fahrzeuge. Uns stockte der Atem als die Straße wesentlich enger wurde. Wir konnten nun nicht mehr ausmachen, was Straße und was bereits zum Gehstreifen gehörte. Immer mehr fliegende Händler hatten ihre Karren und Wägelchen aufgeschlagen und baten ihre Waren an. Frauen saßen auf der Erde, vor Ihnen auf Plastiktüten lag Obst und Gemüse. Um so weiter wir in die Stadt fuhren, umso enger wurde es. Für die zweirädrigen Fahrzeuge kein Problem, nur wir hatten eines. Zum einen waren wir geschockt von dem Chaos und Gewimmel um uns herum, zum anderen hatten wir keine Ahnung in welche Richtung wir fahren sollten. Unser Instinkt sagte uns: Bloß weg hier. Teilweise konnten wir nicht einmal Schrittgeschwindigkeit fahren, so wimmelte es vor Menschen. Wir hatten Angst um das Auto und vor Übergriffen. Ich traute mich kaum irgendwelche Fotos zu schießen, was ich hinterher bereute. Meter für Meter kämpften wir uns weiter. Da es keine Hinweisschilder gab folgten wir einfach der Straße. Irgendwann nahm die Konzentration der Menschen wieder ab und wir kamen an eine Kreuzung, wo von rechts Busse und Lastwagen kamen. Wahrscheinlich gab es eine Umgehungsstraße, von der wir aber nichts gewusst hatten. Hinweisschilder hatten wir jedenfalls keine gesehen. Wieder fuhren wir entlang alter teilweise verlassener Fabrikgebäude. Ausgebrannte Schrottautos und Lastwagen standen am Straßenrand. Der Müll türmte sich in den Ecken. Zwischendrin suchten Hunde, Ziegen und Schweine nach essbarem. Kinder spielten. Wir hatten nicht viel geredet, das Gesehene wollte erst einmal verkraftet werden. Ich glaubte unterdessen nicht mehr daran, dass es am Titicacasee schön werden würde. Die Aussicht auf eine nette Stadt am blauen Titicacasee mit Promenade am Wasser und feinen Restaurants schwanden. Matthias hatte die Hoffnung nicht aufgegeben. Er war überzeugt, dass wir bald eine wundervolle Aussicht auf den blauen Titicacasee haben würden. In unserem Reiseführer stand auch genau wo: „Schon lange ist auf der linken Seite der tiefblaue Titicacasee zu bewundern. Am Ufer führt schnurgerade das Bahngleis auf einem Damm von Puno nach Juliaca. Unmittelbar vor Puno steigt die Straße noch einmal kurvenreich an und bietet am höchsten Punkt (in Höhe der Tankstelle links) einen faszinierend schönen Blick auf die Stadt und den mächtig großen Titicacasee.“ Aber so sehr wir auch suchten, die Aussicht und die Tankstelle kam nicht. Stattdessen sahen wir eine Schilf- und Sumpflandschaft in einem dreckigen Braunton. Die tollen 6.000 Gipfel konnten wir aufgrund der dicken Wolken erst recht nicht sehen. Wir fuhren weiter und kamen der Stadt Puno immer näher. Auch hier gab es kaum Hinweisschilder nach denen wir uns hätten richten können. Der Stadtplan in unserem Reiseführer brachte uns dann auf einigen Umwegen zu den ausgewählten Hotels, die wir uns vorher ausgesucht hatten. Wir hatten Glück, wir fanden ein Hotel in der Nähe des Zentrums, wo wir unser Auto auch unterbringen konnten. Wir bezogen unser Zimmer und wollten uns ein Restaurant suchen. Inzwischen wurde es dunkel und es fing leicht an zu regnen. In der einzigsten Einkaufsstraße tummelten sich mehrere Touristengruppen. Die Restaurants waren nett hergerichtet und den Bedürfnissen der Touristen angepasst. Nachdem wir unseren Bootsausflug für den nächsten Tag gebucht hatten, gingen wir etwas essen. Es wurde immer kälter und der Regen nahm zu. Auf unserem Rückweg gingen wir noch in eines der unzähligen Internet-Cafés um mal wieder ein Lebenszeichen von uns zu geben. Das Internet-Café war ein ausgebauter Dachboden. Der Regen trommelte bedrohlich auf das Dach. Hoffentlich beruhigt sich das Wetter über Nacht. Schon an diesem Abend war es sehr kalt. Wir kuschelten uns unter die vielen Decken in unserem Hotelzimmer und schliefen geschafft ein. |